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Pille absetzen – was du wissen solltest

Pille Absetzen: das Wichtigste auf einen Blick

Nach dem Absetzen der Pille kann es unterschiedlich lange dauern, bis du wieder einen gesunden Zyklus hast. Es kann vorübergehend zu unterschiedlichen Hormonungleichgewichten kommen, die zu unterschiedlichen Symptomen und Nebenwirkungen führen können. In diesem Artikel erfährst du, wie du die Pille absetzt, was nach dem Absetzen der Pille in deinem Körper passiert, welche möglichen Nebenwirkungen nach dem Pille Absetzen auftreten können und mit welchen Tipps du die Symptome und Nebenwirkungen gering halten kannst.

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1. Wie die Pille/ hormonelle Verhütung in deinem Körper wirkt

Hormonelle Verhütung hat drei Wirkmechanismen:

  1. sie wirkt auf die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und unterdrückt den Eisprung und damit auch die Bildung eines Gelbkörpers
  2. sie verändert den Zervixschleim so, dass er eine Blockade für Spermien vor dem Muttermund darstellt
  3. die Gebärmutterschleimhaut wird nicht wie im natürlichen Zyklus aufgebaut

Unter Einnahme oder Anwendung hormoneller Verhütung kann keine Befruchtung eintreten, weil …

  1. Kein Eisprung stattfindet und damit keine Eizelle freigegeben wird, die befruchtet werden könnte
  2. Keine Spermien in die Gebärmutter gelangen können, da der Zervixschleim eine Blockade vor dem Muttermund bildet und die Spermien nicht auf ihrem langen Weg Richtung Eileiter unterstützt
  3. Die Gebärmutterschleimhaut nicht ausreichend aufgebaut wird, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten könnte  

Es gibt zwei Varianten hormoneller Verhütung: Kombipräparate und reine Gestagenpräparate. Kombipräparate wie die klassische Pille enthalten vereinfacht gesagt künstliches Östrogen und künstliches Progesteron. Gestagenpräparate wie die Mini-Pille enthalten lediglich künstliches Progesteron. 

Bei reinen Gestagenpräparaten kann es sein, dass der Eisprung nicht komplett unterdrückt wird, bei diesen Präparaten greifen insbesondere die anderen beiden Wirkmechanismen. 

Trotzdem findet unter hormoneller Verhütung (unabhängig der Art) kein natürlicher Zyklus statt. Die Blutung während einer Einnahme oder Anwendungspause ist damit auch keine Menstruation. Es ist eine sogenannte Entzugsblutung, da es sich um eine Reaktion des Körpers auf den Entzug der künstlichen Hormone handelt. Medizinisch gesehen ist diese Blutung nicht notwendig. 

2. Pille Absetzen: aber wie?

Da die Hormone deinen Zyklus ausschalten, kannst du die Pille grundsätzlich jederzeit absetzen. Im folgenden ein paar Hinweise, abhängig von der Art der Einnahme:

Machst du bei der Einnahme / Anwendung regelmäßig eine Pause, hörst du nach der nächsten Pause einfach mit der Anwendung auf. Nimmst du z.B. die Pille ein, wartest du bis zu deiner nächsten Pillenpause. Nach der Pillenpause beginnst du dann nicht wieder mit der Einnahme. 

Wenn du keine Pause in der Einnahme / Anwendung machst, dann kannst du jederzeit mit der Einnahme oder Anwendung stoppen. Für Hormonspirale, Implantate &Co. benötigst du selbstverständlich einen Termin bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen zur Entfernung. 

 

Du möchtest weitere Infos zum Absetzen der Pille?

3. Pille Absetzen: was danach passiert

Nach dem Absetzen der künstlichen Hormone wird die Kommunikation zwischen dem Gehirn und den Eierstöcken wieder aufgenommen. Zunächst wird wieder das Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon) vom Gehirn ausgeschüttet, sodass 10-20 Follikel in den Eierstöcken beginnen heranzureifen. Bei der Mehrheit der Menstruierenden startet die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken direkt nach Absetzen der Pille. Je nach Gesundheitszustand und Stresslevel kann es aber unterschiedlich lange dauern, bis in diesem ersten Zyklus nach hormoneller Verhütung wieder ein Eisprung stattfindet.

Zum Beispiel können Diäten, Untergewicht, Vitalstoffmängel, Leistungssport, psychischer Stress und Krankheiten dafür sorgen, dass die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken nur langsam wieder angekurbelt wird.

Wie schnell der Körper die künstlichen Hormone abbaut und die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken wieder ankurbelt, ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig, die auch nicht alle bekannt sind.

Studien zeigen aber, dass ca. 51% der Menstruierenden nach dem Absetzen der Pille / hormoneller Verhütung wieder innerhalb eines Monats einen gesunden Zyklus aufweisen [1].

Bei den restlichen 49% kommt es zu unterschiedlichen Zyklusstörungen [1]. Beispiele für diese Zyklusstörungen sind sehr lange Zyklen (über 36 Tage), eine verkürzte oder instabile Lutealphase, Zyklen ohne Eisprung und auch eine ausbleibende Blutung über mehr als 90 Tage.  

4. Mögliche Nebenwirkungen nach dem Pille Absetzen

Nach dem Pille Absetzen kommt es häufig vorübergehend zu Zyklusstörungen wie z.B.

  • Sehr lange Zyklen (über 36 Tage)
  • Zyklen ohne Eisprung
  • Zyklen mit verkürzter oder instabiler Lutealphase und vermehrten Schmierblutungen
  • Eine ausbleibende Blutung über mehr als 90 Tage

Innerhalb von 3 bis 6 Monaten spielt sich meistens, wenn auch zu Beginn häufig unregelmäßig, ein Zyklus ein, solange keine weiteren Faktoren vorliegen. Weitere Faktoren können unter anderem Diäten, Untergewicht, Vitalstoffmängel, Leistungssport, psychischer Stress und Krankheiten sein.

Neben den Zyklusstörungen kann es auch vorübergehend zu folgenden Symptomen kommen:

  • Haarausfall
  • Hautprobleme bis hin zu Akne
  • Stimmungsschwankungen
  • Schwindel
  • Darmbeschwerden

Diese Nebenwirkungen sind oft vergleichbar mit Symptomen der Pubertät und das aus gutem Grund. Sowohl während der Pubertät als auch nach dem Absetzen hormoneller Verhütung kann es vorübergehend zu Hormonungleichgewichten kommen. Diese Hormonungleichgewichte sorgen dann für die Nebenwirkungen. Pendelt sich nach ca. 3 bis 6 Monaten wieder ein gesunder Zyklus ein, verschwinden auch häufig die Nebenwirkungen. 

Ursachen für die Hormonungleichgewichte nach dem Absetzen der Pille sind unteranderem, auch häufig eine angeschlagene Darmgesundheit und ein Vitalstoffmangel aufgrund der Pilleneinnahme.

5. Tipps zum Pille Absetzen

Das Absetzen der Pille zieht eine Umstellung deines Körpers mit sich. Dieser hat einiges an Arbeit vor sich: künstliche Hormone abbauen, eigene Hormonproduktion wieder anschalten, ersten Zyklus seit langer Zeit auslösen. Diese hormonelle Umstellung braucht Zeit und Energie. Du solltest dir also möglichst eine ruhige und entspannte Zeit für dein Vorhaben aussuchen. Außerdem solltest du deinen Körper bestmöglich bei der Aufgabe unterstützen.

  • Achte auf ausreichend Schlaf. Versuche durchschnittlich auf 8 Stunden Schlaf zu kommen. Eine gute Schlafhygiene kann dir helfen: Abendroutine, mindestens 15 Minuten vor dem Schlafen gehen kein Handy oder Fernsehen
  • Achte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung (komplexe Kohlenhydrate, gesunde Fette, Ballaststoffe). 
  • Bei hormoneller Akne ist es empfehlenswert zu testen, ob diese sich durch den Verzicht auf Milchprodukte verbessert
  • Achte auf deinen Energiehaushalt (ausreichend Kalorien, kein übermäßiger Sport)
  • Achte auf ausreichend Bewegung
  • Fülle deine Vitalstoffspeicher auf. Die Pille ist ein Vitalstoffräuber. Für diesen Prozess verbraucht deine Leber wichtige Vitalstoffe. Nach jahrelanger Einnahme der Pille sind die Speicher häufig leer. Nach dem Absetzen kann sich das in Symptomen, Nebenwirkungen und Zyklusstörungen zeigen. Lasse am besten ein Blutbild machen und fülle deine Vitalstoffspeicher gezielt und mit hochwertigen Produkten auf.
  • Vermeide Stress
  • Lerne deinen Zyklus zu verstehen. Mit NFP kannst du die hormonellen Aktivitäten in deinem Körper beobachten und herausfinden, ob du einen gesunden Zyklus hast. Wenn du keinen gesunden Zyklus hast, hilft NFP dir dabei die Ursachen für dein Hormonungleichwicht zu finden. Hier kann dir eine Zyklusberatung helfen, melde dich gern zu einem Erstgespräch.

6. Fazit

Keiner kann dir sagen, was nach dem Pille Absetzen bei dir passiert wird. Niemand weiß, wie schnell du wieder einen Eisprung bekommst, ob oder welche Nebenwirkungen du haben wirst. Aber Nebenwirkungen und vorübergehende Zyklusstörungen sind nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Sorge. Wenn du nach 3 bis 6 Monaten weiterhin mit Nebenwirkungen und Zyklusstörungen zu kämpfen hast, ist es ratsam nach weiteren Ursachen wie z.B. Vitalstoffmangel, Schilddrüse, Darmgesundheit und Stress zu forschen. 

Durch die Beobachtung deiner Körperzeichen kannst du herausfinden, ob du einen gesunden Zyklus hast, deinen Zyklus besser kennenlernen und in dein Leben integrieren. 

Quellen:
[1] Raith-Paula, Frank-Herrmann, Freundl, Strowitzki (2013). Natürliche Familienplanung heute. (5) Springer Verlag

Katharina Dinzen ist zertifizierte Expertin für Zyklusgesundheit und natürliche Familienplanung (NFP) und die Gründerin von Ovulista.

Ihre Mission ist es Frauen und Mädchen zu zeigen, wie sie ihren Zyklus für sich nutzen können: für ihr Wohlbefinden, ihren Kinderwunsch oder die sichere, hormonfreie Verhütung.

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